Der AI-Boom wird an der Börse häufig auf einige wenige Namen reduziert.
Nvidia, Halbleiter, GPUs und Hyperscaler.
Doch künstliche Intelligenz funktioniert nicht ohne eine zweite, weniger spektakuläre Ebene: die physische Infrastruktur.
Server benötigen Gebäude. Rechenzentren benötigen Strom, Kühlung und Netzanschlüsse. Daten müssen zwischen Standorten transportiert werden. Mobilfunknetze und Glasfaser müssen ständig grössere Datenmengen verarbeiten.
Genau hier setzt der Global X Data Center & Digital Infrastructure ETF (DTCR) an.
Der ETF bildet den Solactive Data Center REITs & Digital Infrastructure Index ab und investiert in Unternehmen, die Rechenzentren, Funktürme und andere digitale Infrastruktur betreiben oder bereitstellen.
Für Anleger ist DTCR damit eine interessante Möglichkeit, auf AI und Digitalisierung zu setzen, ohne den nächsten Gewinner unter den Chipproduzenten erraten zu müssen.
Was steckt in DTCR?
DTCR ist kein klassischer Technologie-ETF.
Ende August 2026 entfielen rund:
- 59,8 % auf Immobilien
- 37,9 % auf Informationstechnologie
- 2,3 % auf Kommunikationsdienste
Der hohe Immobilienanteil kommt daher, dass viele grosse Rechenzentrums- und Mobilfunkinfrastrukturbetreiber als REITs strukturiert sind.
Zu den grössten Positionen des ETFs gehörten am 4. September 2026:
- Digital Realty – 12,8 %
- American Tower – 12,5 %
- Equinix – 12,2 %
- Crown Castle – 8,6 %
- SBA Communications – 4,6 %
- NEXTDC – 4,3 %
- Keppel DC REIT – 4,3 %
- GDS Holdings – 4,2 %
- Applied Digital – 4,1 %
Insgesamt hält DTCR lediglich rund 25 Positionen.
Das ist wichtig.
DTCR ist kein breit diversifizierter Welt-ETF, sondern eine konzentrierte Themenwette.
Allein Digital Realty, American Tower, Equinix und Crown Castle machen zusammen rund 46 % des Portfolios aus.
Die zehn grössten Positionen kommen sogar auf mehr als 70 %.
Nicht nur Rechenzentren
Der Name kann etwas irreführend sein.
Wer DTCR kauft, erhält nicht ausschliesslich Betreiber klassischer Rechenzentren.
Unternehmen wie Digital Realty und Equinix gehören direkt zur Data-Center-Infrastruktur.
American Tower, Crown Castle und SBA Communications stammen dagegen stärker aus dem Bereich Mobilfunk- und Kommunikationsinfrastruktur.
Das kann ein Vorteil sein.
Denn AI ist letztlich nur ein Teil eines viel grösseren Trends:
Immer mehr Daten müssen gespeichert, verarbeitet und übertragen werden.
Cloud Computing, Streaming, autonome Systeme, Internet of Things, 5G und AI benötigen alle dieselbe grundlegende digitale Infrastruktur.
DTCR deckt deshalb einen breiteren Bereich ab als ein reiner Data-Center-ETF.
AI verändert den Strombedarf
Wie real diese Entwicklung ist, zeigen inzwischen auch die Energiedaten.
Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass Rechenzentren 2025 weltweit rund 485 TWh Strom verbrauchten.
Bis 2030 könnten daraus ungefähr 950 TWh werden.
Der Stromverbrauch von Rechenzentren würde sich damit innerhalb von nur fünf Jahren praktisch verdoppeln. Besonders stark wächst dabei der Bedarf von AI-spezifischen Rechenzentren.
Die IEA erwartet zudem, dass der Stromverbrauch von Data Centern bis 2030 rund 3 % des weltweiten Stromverbrauchs ausmachen könnte.
Das klingt zunächst nicht spektakulär.
Das Problem liegt jedoch in der lokalen Konzentration.
Ein neues AI-Rechenzentrum kann an einem einzigen Standort enorme Mengen Strom benötigen. Netzanschlüsse, Transformatoren, Kühlung, Notstromversorgung und geeignete Grundstücke werden dadurch zunehmend zu Engpassfaktoren.
Genau diese Knappheit kann bestehende Infrastruktur wertvoller machen.
Die Schaufeln des AI-Goldrauschs
Man kann DTCR deshalb als eine Art „Pick-and-Shovel“-Investment betrachten.
Bei einem Goldrausch ist nicht zwingend derjenige der beste Gewinner, der das Gold findet.
Auch diejenigen verdienen Geld, die Schaufeln, Werkzeuge und Infrastruktur bereitstellen.
Auf AI übertragen bedeutet das:
Es ist schwer vorherzusagen, welches AI-Modell in fünf Jahren führend sein wird.
Es ist ebenfalls schwierig vorherzusagen, welcher Halbleiterhersteller langfristig die höchsten Margen erzielt.
Deutlich einfacher ist die These:
Wenn immer mehr AI-Anwendungen genutzt werden, benötigen wir mehr Rechenleistung, mehr Rechenzentren und mehr digitale Infrastruktur.
DTCR versucht genau diese zweite Ebene abzubilden.
Der vielleicht grösste Vorteil: weniger Abhängigkeit von einzelnen AI-Gewinnern
Viele Anleger besitzen über Nasdaq-, S&P-500- oder Technologie-ETFs bereits grosse Positionen in:
- Nvidia
- Microsoft
- Alphabet
- Amazon
- Meta
- Broadcom
Ein weiterer klassischer AI-ETF erhöht häufig einfach dieselben Positionen noch einmal.
DTCR funktioniert anders.
Statt erneut Nvidia oder Microsoft zu kaufen, investiert man stärker in die Infrastruktur, die von praktisch allen grossen Cloud- und AI-Anbietern benötigt wird.
Das kann eine interessante Ergänzung sein.
Man setzt nicht nur darauf, wer den AI-Wettbewerb gewinnt, sondern darauf, dass der gesamte Wettbewerb mehr Infrastruktur benötigt.
Aber DTCR ist nach dem starken Lauf kein Geheimtipp mehr
Genau hier liegt aktuell der entscheidende Punkt.
DTCR hat eine aussergewöhnlich starke Phase hinter sich.
Per Ende Juni 2026 betrug die Einjahresrendite des Fonds auf NAV-Basis rund 64,8 %. Über drei Jahre lag die annualisierte Rendite bei etwa 32,5 %.
Am 4. September 2026 lag der Marktpreis bei rund 28,18 USD.
Die zuletzt ausgewiesene 52-Wochen-Spanne reichte ungefähr von 18,34 bis 32,79 USD.
Das bedeutet:
DTCR notiert zwar unter seinem bisherigen Hoch, aber von einem unentdeckten oder ausgebombten Investment kann keine Rede mehr sein.
Die AI-Infrastruktur-Story ist inzwischen im Markt angekommen.
Ist DTCR teuer?
Die Bewertung wirkt auf den ersten Blick nicht extrem.
Global X weist für das Portfolio für 2026 ein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 23 aus.
Das liegt deutlich unter den Bewertungen mancher hoch bewerteter AI-Einzelaktien.
Allerdings sollte man diese Kennzahl bei DTCR vorsichtig interpretieren.
Ein grosser Teil des Portfolios besteht aus REITs. Bei Immobiliengesellschaften sind klassische KGV-Vergleiche häufig weniger aussagekräftig als Kennzahlen wie Funds From Operations (FFO) oder Cashflows.
Ausserdem reagieren viele dieser Unternehmen stark auf:
- Zinsen
- Finanzierungskosten
- Immobilienbewertungen
- Kapitalbedarf für neue Rechenzentren
- Auslastung
- Stromverfügbarkeit
DTCR ist damit keineswegs ein defensiver Immobilien-ETF.
Global X weist gegenüber dem S&P 500 aktuell ein Beta von rund 1,42 aus.
Die Schwankungen können entsprechend erheblich sein.
0,50 % Gebühren – nicht billig, aber vertretbar
Die Gesamtkostenquote von DTCR beträgt 0,50 % pro Jahr.
Das ist deutlich teurer als ein klassischer S&P-500-ETF, für einen spezialisierten Themen-ETF aber nicht aussergewöhnlich.
Der Fonds verwaltet inzwischen rund 2,16 Mrd. USD und weist einen relativ engen Median-Bid-Ask-Spread von rund 0,04 % aus.
DTCR ist damit längst kein exotischer Mini-ETF mehr.
Die aktuelle 30-Day SEC Yield liegt bei rund 1,6 %. Der ETF ist also trotz seines hohen REIT-Anteils primär kein Dividendeninvestment, sondern eine Wachstumsposition.
Ein Risiko wird zunehmend sichtbar: Sind alle geplanten Data Center real?
Zur AI-Infrastruktur-Story gehört inzwischen auch eine weniger angenehme Entwicklung.
Der erwartete Strombedarf neuer Rechenzentren ist teilweise so gross, dass Netzbetreiber zunehmend bezweifeln, ob alle angekündigten Projekte tatsächlich gebaut werden.
Reuters berichtete Anfang September über mehr als 700 GW an Anschlussanfragen für Rechenzentren in den USA – ein Vielfaches des heutigen tatsächlichen Stromverbrauchs des Sektors.
Ein Teil davon dürfte Doppelzählungen oder spekulative Projekte betreffen.
Texas und andere Regionen beginnen deshalb, Anschlussanfragen stärker zu überprüfen.
Das ist ein wichtiger Risikofaktor.
Nicht jede angekündigte AI-Fabrik und nicht jedes geplante Rechenzentrum wird tatsächlich gebaut.
Der Markt könnte deshalb zeitweise zu optimistische Wachstumsannahmen einpreisen.
Was für DTCR spricht
Die langfristige These bleibt dennoch überzeugend:
- AI benötigt massiv mehr Rechenleistung.
- Cloud Computing wächst weiter.
- Datenverkehr steigt strukturell.
- Rechenzentren werden zu kritischer Infrastruktur.
- Geeignete Standorte mit ausreichender Stromversorgung sind knapp.
- Bestehende Betreiber verfügen über schwer replizierbare Infrastruktur.
- DTCR vermeidet die ausschliessliche Abhängigkeit von einzelnen Chip- oder AI-Unternehmen.
Global X geht unter Berufung auf Branchenprognosen davon aus, dass die weltweiten Data-Center-Umsätze von rund 483 Mrd. USD im Jahr 2025 auf 756 Mrd. USD bis 2030 steigen könnten.
Die Investmentthese ist also keineswegs nur ein kurzfristiger AI-Hype.
Was gegen DTCR spricht
Gleichzeitig gibt es klare Risiken:
Konzentration
Nur rund 25 Positionen und mehr als 70 % Gewicht in den zehn grössten Unternehmen bedeuten eine hohe Abhängigkeit von wenigen Titeln.
Zinsen
Viele grosse Positionen sind REITs und finanzieren kapitalintensive Infrastruktur.
Bleiben die Zinsen hoch oder steigen Finanzierungskosten, kann das Bewertungen und Gewinne belasten.
Strom und Netzanschlüsse
Neue Data Center können nur gebaut werden, wenn ausreichend Strom und Netzkapazität verfügbar sind.
Dieser Punkt entwickelt sich zunehmend zum Flaschenhals.
Überinvestitionen
Sollten Hyperscaler und AI-Unternehmen heute zu aggressiv investieren, könnte später Überkapazität entstehen.
Hohe Erwartungen
Nach einer Einjahresperformance von rund 65 % ist der Markt bereits deutlich optimistischer als noch vor zwölf Monaten.
Fazit
DTCR gehört für uns zu den interessantesten Möglichkeiten, den AI-Boom ausserhalb der offensichtlichen Chip- und Softwareunternehmen abzubilden.
Die Grundidee ist einfach:
AI braucht Rechenleistung.
Rechenleistung braucht Rechenzentren.
Rechenzentren brauchen Grundstücke, Gebäude, Strom, Kühlung, Netzwerke und Datenverbindungen.
DTCR investiert genau in diese physische Ebene der digitalen Wirtschaft.
Besonders interessant ist, dass der ETF damit eine andere Seite des AI-Trends abdeckt als klassische Technologie-ETFs und gleichzeitig von Cloud Computing, 5G und dem langfristig steigenden Datenverkehr profitieren kann.
Der Haken ist das Timing.
Nach einer Einjahresperformance von rund 65 % ist DTCR kein unentdeckter Geheimtipp mehr. Die langfristige Story bleibt stark, kurzfristig können hohe Erwartungen, Zinsen und die Diskussion um mögliche Überkapazitäten für deutliche Rückschläge sorgen.
Für uns ist DTCR deshalb weniger eine Wette darauf, welcher AI-Konzern am Ende gewinnt.
Es ist eine Wette darauf, dass alle Gewinner irgendwo ihre Server aufstellen und ihre Daten transportieren müssen.
Und genau das macht den ETF langfristig interessant.
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.
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